In systemischer Sicht existiert „das wahre Ich“ nicht als statisches Kernselbst, sondern als ein Geflecht aus Kontexten, Beziehungen und Rollen.
Wenn jemand also „total authentisch“ sein möchte, geht er oft von einem festen, unveränderlichen Inneren aus – etwas, das es so nicht gibt. Menschen entstehen in Interaktion.

Kritikpunkt:
Der Wunsch nach radikaler Authentizität blendet aus, dass Menschsein immer ein Co-Konstrukt ist. Man zeigt nicht „sich selbst“, sondern eine Version seiner selbst, die in diesem System Sinn ergibt.

Der blinde Fleck: Bedürfnisse vs. Wirkung

Viele, die nach „Echtheit“ streben, fokussieren stark auf das eigene Innenerleben („ich will sagen, was ich fühle“).
Was sie übersehen: Jede Interaktion erzeugt Wirkung.

Systemisch gesprochen:

Dabei gehört beides zusammen. Menschen, die auf totale Authentizität bestehen, stehen häufig im Konflikt mit anderen, weil sie die relationalen Prozesse nicht mitdenken.

Ein Coaching-Gespräch dazu könnte lauten:
„Wenn du ganz du selbst sein möchtest – welches ‚Du‘ meinst du? Und in welchem Beziehungssystem soll dieses Du wirken?“

Psychologische Dynamiken hinter dem Authentizitätswunsch

Der starke Wunsch nach „totaler Echtheit“ entsteht oft aus:

Viele Klient:innen wollen nicht authentisch sein – sie wollen furchtlos sein.
Sie wollen nicht mehr verletzt werden können.

Das ist ein wichtiger Wendepunkt im Coaching.

Paradoxie: Je stärker die Anstrengung, desto künstlicher die Wirkung

Authentizität ist per Definition etwas, das passiert, nicht erzwungen wird.
Wenn jemand bewusst „authentisch wirken“ will, dreht er am eigenen Image – und landet in einer Art „Meta-Performance“.

Das erkennst du z. B. bei:

Ein systemischer Reflexionsimpuls:

„Wem willst du eigentlich beweisen, dass du echt bist?“

Ein reiferes Verständnis von Authentizität, auch aber nicht nur als Coach:

In deinen Coachings könntest du Authentizität weniger als „Selbst-Ausdruck“ und mehr als Selbst-Kohärenz im Beziehungsgefüge definieren:

Diese Sicht entlastet und stärkt gleichzeitig.

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