Empathie?!

Gerade lese ich den Artikel über die negativen Folgen der Empathie in der Witschaftswoche. Natürlich bestreite ich auch nicht, dass Empathie anstrengend sein kann. Aber ansonsten ist der Artikel echter Blödsinn. Und das sage ich als jemand, der sich von Berufswegen mit diesem Thema seit beinahe 20 Jahren beschäftigt.

Erstens: die Autoren erwähnen mit keinem Wort, was sie überhaupt unter Empathie verstehen. Mehr noch: sie reduzieren Empathie rein auf Gefühle – und das ist schlichtweg falsch.

In der Forschung unterscheidet man drei Formen der Empathie. Emotionale ( affektive ), kognitive und soziale Empatie. Emotionale Empathie ist die Fähigkeit, das Gleiche zu empfinden wie andere Menschen (Mitgefühl); Die kognitive Empathie ist die Fähigkeit, neben Gefühlen auch Gedanken und Absichten anderer Menschen zu verstehen und daraus korrekte Schlussfolgerungen zu ihrem Verhalten abzuleiten. Bei der sozialen Empathie handelt es sich um die Fähigkeit, komplexe soziale Situationen (Systeme) mit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Charaktereigenschaften und Werthaltungen zu verstehen, um mit ihnen konstruktiv kommunizieren zu können. (Quelle: Wikipedia).

Ich möchte doch meinen, dass das grundlegende Fähigkeiten für ein gutes und konstruktives Miteinander sind…

Zweitens: Gefühle, Absichten und Verhalten anderer Menschen zu verstehen bedeutet noch lange nicht, dass ich mich dann danach verhalten muss. Wer das grundsätzlich tut hat – da haben die Autoren recht – tatsächlich ein Problem. Das hat aber nichts mit zu viel Empathie zu tun sondern ist eher eine Folge mangelnder Abgrenzungsfähigkeit. Evtl. weil die Person Angst vor Ablehnung hat. Oder konfliktscheu ist. Oder nicht gelernt hat, klar und wertschätzend zu kommunizieren.

Ich könnte die einzelnen Punkte noch weiter zerlegen – möchte aber abschließend nur noch meine Wahrnehmung zu diesem Thema wiedergeben:

In unserer Kultur haben wir eher das Problem, dass wir viel zu wenig empathische Menschen haben. Oder Menschen, die von sich glauben, dass Empathie z.B. als Führungskraft nur hinderlich ist. Empathie sei was für Weicheier. Und für Frauen. Und schaut nur, wohin es Euch gebracht hat…

Natürlich: die psychischen Erkrankungen in Unternehmen nehmen immer noch zu. Und ja, dass mit den leer gefischten Ozeanen, Müllbergen und kaputten Landachaften ist schon eine sehr unangenehme Begleiterscheinung unseres Wohlstandes. Und irgendwie ist es auch schade, dass Kinder und Eltern sich lieber mit ihren Smartphones als Miteinander unterhalten.

Aber Empathie hat ja so viele Nachteile. Sagt die Wirtschaftswoche.

Auszeit vom Job